Hinter mir liegen über dreißig Jahre Berufserfahrung als Journalistin, Autorin, Regisseurin, Produzentin, Übersetzerin und Dozentin. Es ist ein weites Gebiet und wenige wollen im Detail wissen, welcher Film wann für wen produziert oder übersetzt worden ist, welcher Artikel in einem Buch oder in einer Zeitung erschienen ist. Wichtig über mich zu wissen ist, dass ich gelernt habe, Fragen zu stellen und Antworten aufzuschreiben. Fragen, die mich berührten, weil sie Themen wie Krieg, Verbrechen und Ungerechtigkeiten aufgriffen. Fragen, auf deren Antworten ich gespannt war, weil ich selbst noch keine gefunden hatte. Fragen, die andere Menschen sich gestellt hatten, aber nicht wussten, wo sie Antworten darauf finden konnten. Ich habe auch unerhörte Antworten aufgeschrieben. Sie haben Leser und Zuschauer gefunden. In meiner vorangegangenen wissenschaftlichen Arbeit als diplomierte Soziologin habe ich kein so breites Publikum erreicht.


 

Ich habe mich nicht nur mit Zeitgeschichte befasst, auch wenn die einen großen Raum einnahm. Zahlreiche Features und Magazinbeiträge sind bei den Öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten dazu entstanden. Wenn auch anfänglich aus der Zeitgeschichte entsprungen, gehören Kunst und Kultur im weitesten Sinne ebenso zu Schwerpunkten meines Schaffens.
Zum Beispiel das Thema Exil in Italien widmete sich deutschen Künstlern, die vor den Nationalsozialisten ins faschistische Italien geflüchtet sind. Ich war nicht nur auf der Suche nach Überlebenden oder Angehörigen in Italien unterwegs. Ich trug dazu bei, ihre Musik- und Kunstwerke zu finden, um sie in einer Ausstellung zu würdigen. Wir haben vieles gefunden und vieles dazu geschrieben. Ein Katalog erinnert daran. Diese Mitarbeit an der Ausstellung hat mich Künsten und Künstlern näher gebracht, aber auch der italienischen Sprache.


 

Sehr viel später wählte ich Italien, um ein paar Jahre außerhalb Deutschlands zu leben und zu arbeiten. Aus der Annäherung an die Künste sind neue filmische und schriftliche Beiträge für Medien entstanden. Ob es um die Vorbereitung einer Opernaufführung unter freiem Himmel oder einen Bericht über Deutsche auf einer Kanareninsel ging, ich fand Gefallen an etwas leichtfüßigeren Themen und einer humoristischen Sprache und öffnete mich nicht zuletzt deshalb auch dem Schreiben von Fiktion. Ich lernte das Handwerk des Drehbuchschreibens, ohne jedoch ein neues Berufsfeld daraus machen zu wollen. Aber das Geschichtenerfinden gefiel mir, und so schrieb ich zunächst Erzählungen. Später wählte ich die Form eines Romans, um die Geschichte eines wahren Verbrechens zu veröffentlichen. Jetzt arbeite ich an einem überwiegend fiktiven Roman. Überwiegend, weil es zu schade wäre,  Menschen und Begebenheiten aus meinem Leben nicht hinein zu weben.


 

Ob filmische oder geschriebene Sprache, Worte müssen gefunden werden. Wenn ich Übersetzungen mache - Filme, Bücher, Artikel, Theaterstücke - hat sich die Geschichte dahinter schon jemand anderes ausgedacht. Ich übertrage sie aus dem Englischen oder Italienischen ins Deutsche und achte die gewählte Sprache der Vorlage. Genauso achte ich die Sprache von Menschen, die mir ihre Lebenserinnerungen anvertrauen, damit ich sie für sie und ihre Familie oder für die breite Öffentlichkeit zu Papier bringe und ein ansprechendes Buch daraus entstehen lasse. Das Erzählte transportiere ich in die gewünschte künstlerische Form, ganz wie es der Wesenheit des Auftraggebers entspricht.

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